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Ratgeber

Kondolenzbuch: was hineinschreiben, und was daraus wird

Julien

Julien

Gründer von forevr

4 Min. Lesezeit

Ein Kondolenzbuch hat zwei Aufgaben: Es gibt denen, die nicht sprechen, eine Möglichkeit, etwas dazulassen — und es gibt der Familie die Liste derer, die da waren. Was hineingehört, passt in einen oder zwei unterschriebene Sätze. Was danach aus dem Buch wird, ist eine andere Frage, und es ist die wichtigere.

Was Sie schreiben, wenn Ihnen nichts einfällt

Ein Satz, Ihr Name und die Verbindung, die Sie zu dem Verstorbenen hatten. Mehr wird nicht erwartet, und für eine Familie, die hundert Einträge lesen wird, ist das schon viel.

Was trägt:

  • Die Verbindung, immer. „Nachbarin aus der Goethestraße, fünfzehn Jahre lang“, „seine Pflegekraft im Seniorenzentrum“, „Skatrunde seit 1998“. Die Familie kennt Sie nicht unbedingt, und genau diese Angabe liest sie später noch einmal.
  • Ein konkretes Detail, wenn Sie eines haben. Ein Satz genügt, um eine Erinnerung festzuhalten, die sonst niemand mitgebracht hätte.
  • Eine schlichte Formel, wenn nichts kommt. „In stiller Anteilnahme“ oder „Wir werden ihn nicht vergessen“, ehrlich gemeint, ist besser als jede verschachtelte Wendung.

Was nicht hilft: religiöse Formeln, wenn Sie die Überzeugungen der Familie nicht kennen; lange Absätze, die den Nächsten zum Umblättern zwingen; Anspielungen auf heikle Themen. Ein Kondolenzbuch wird im Wohnzimmer vorgelesen, manchmal Jahre später.

Für eine Karte oder eine Nachricht gilt ein anderes Format — dazu Beileid schreiben: was in eine Trauerkarte gehört.

Wer es bereitstellt, wer es bekommt

Das Kondolenzbuch kommt fast immer vom Bestatter, manchmal in der Leistung enthalten, manchmal gesondert berechnet. Es liegt am Eingang der Trauerhalle oder der Friedhofskapelle aus, bei einer Abschiednahme auch beim Bestatter.

Am Ende wird es der Familie übergeben — praktisch der Person, die die Bestattung organisiert hat. Und genau dort beginnt das Problem.

Was daraus wird

Ein Kondolenzbuch wird fast immer einmal gelesen, in den Tagen danach, und dann weggelegt.

Es landet in einem Karton, zusammen mit den Nachlassunterlagen, den unsortierten Fotos und den übrig gebliebenen Trauerkarten. Es wird selten wieder aufgeschlagen. Es geht oft verloren — beim Auszug aus dem Elternhaus, oder bei der Aufteilung, wenn jeder mitnimmt, was er tragen kann, und niemand nach dem großen Buch fragt.

Das ist kein Zeichen fehlender Verbundenheit. Es liegt in der Natur des Gegenstands: Er ist einmalig, sperrig, lässt sich nicht vervielfältigen und gehört nur dem, bei dem er steht. Die Enkel, die ihn zehn Jahre später lesen möchten, wissen oft gar nicht, dass es ihn gibt.

Das ist ein echter Verlust. Auf diesen Seiten steht, was niemand wiederholen wird: Erinnerungen von Kollegen, Nachbarn, Schulfreunden — Menschen, die die Familie nie wiedersieht und die an diesem Tag ihre einzige Spur hinterlassen haben.

Was Familien tun, damit die Worte bleiben

Drei Handgriffe kehren bei denen wieder, die rechtzeitig daran denken.

Jede Seite fotografieren, noch am selben Tag. Der einfachste und wirksamste Schritt. Er dauert zehn Minuten und holt die Worte aus dem Karton. Am besten, solange Sie das Buch noch in der Hand halten.

Die Einträge abtippen. Aufwendiger, aber erst dann wird der Inhalt durchsuchbar: Man findet einen Namen, einen Satz wieder.

Einen Ort öffnen, an dem die Angehörigen selbst schreiben. Statt hinterher abzuschreiben, was hundert Menschen in drei Sekunden im Stehen notiert haben, gibt man ihnen einen Link und die Zeit, wirklich zu schreiben. Die Nachrichten werden länger, sie kommen über Wochen, und sie hängen nicht mehr an einem einzigen Buch bei einer einzigen Person.

So funktioniert eine Online-Gedenkseite wie die von forevr: eine Seite unter dem Namen des Verstorbenen, auf der jeder einen Gedenkbeitrag, ein Foto oder eine Erinnerung hinterlässt und die der ganzen Familie zugänglich bleibt — ohne dass jemand das Buch aufbewahren muss.

Niemand muss sich entscheiden. Das Buch aus Papier hat eine Qualität, die nichts ersetzt: Es trägt die Handschrift der Menschen, und die ist selbst schon ein Stück Erinnerung. Es zu fotografieren genügt, um es zu retten; die Gedenkseite übernimmt nur für die, die an diesem Tag nicht da waren.

Wie lange es offen bleibt

Eine Regel gibt es nicht. In der Praxis liegt ein Kondolenzbuch während der Abschiednahme und am Tag der Trauerfeier aus, also zwei bis vier Tage.

Das ist kurz, und es ist die Grenze des Formats: Viele erfahren vom Tod erst nach der Bestattung, oder sie konnten nicht kommen. Sie haben nichts, wo sie schreiben könnten — und gerade von ihnen kommen Wochen später oft die Nachrichten, die eine Familie am längsten aufhebt.

Die Online-Kondolenzbücher, die Regionalzeitungen auf ihren Trauerportalen zur Traueranzeige anbieten, schließen diese Lücke eine Zeit lang. Aber sie haben ein Ablaufdatum: Viele Portale nehmen die Seite nach einigen Monaten vom Netz, und mit ihr verschwindet, was darin steht. Was in die Anzeige selbst gehört, steht in Eine Traueranzeige schreiben.

Weitere Wege, das zu bewahren, was von einem Menschen bleibt, finden Sie im Leitfaden zum Gedenken an Verstorbene — und für den ersten Jahrestag in Der erste Todestag.

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