Bei der Trauerfeier für den Vater sagen Sie, was er für Sie war — nicht, wer er im Allgemeinen war: eine genaue Erinnerung, was er Ihnen mitgegeben hat, was Sie ihm nicht gesagt haben, und einen kurzen Satz zum Schluss. Drei Minuten genügen. Wenn Sie sich fern standen oder die Beziehung schwierig war, muss niemand Nähe vortäuschen: Bei den Tatsachen zu bleiben und bei dem, was er trotz allem weitergegeben hat, ist würdiger als eine erfundene Zärtlichkeit.
Die Trauergemeinde weiß, wer Sie sind, und sie erwartet keinen gelungenen Text. Sie erwartet, Sie zu hören. Vier Texte folgen, einer je Situation — sie taugen nur mit Ihren eigenen Einzelheiten.
Ein Gerüst in vier Schritten
Es trägt, ganz gleich, wie Ihre Beziehung war. Der vollständige Aufbau steht in Eine Trauerrede halten; für die Mutter gibt es das Gegenstück.
- Eine genaue Erinnerung, möglichst mit Datum. Nicht die wichtigste — die schärfste.
- Was er Ihnen mitgegeben hat. Eine Gewohnheit, ein Handwerk, eine Vorliebe. Auch wenn sie winzig ist.
- Was Sie ihm nicht gesagt haben, wenn Sie es aussprechen können. Das ist der Teil, der berührt — und der am meisten erleichtert.
- Ein Satz zum Schluss, kurz, ohne große Worte. „Danke, Papa“ reicht.
Schreiben Sie es auf ein Blatt und behalten Sie es in der Hand, auch wenn Sie es auswendig können: Die Stimme geht manchmal weg, und das Papier lässt Sie wieder einsetzen.
Vier Texte, je nach Beziehung
Sie standen sich nah
Das Risiko ist nicht, dass Ihnen der Stoff fehlt, sondern dass Sie alles sagen wollen. Wählen Sie eine Erinnerung und verzichten Sie auf den Rest.
„Mein Vater ist um fünf aufgestanden, auch sonntags, auch als Rentner. Als ich klein war, bin ich manchmal zu ihm in die Küche runtergekommen, und er hat mir einen Milchkaffee gemacht, den er ‚einen Männerkaffee‘ nannte — mit drei Stück Zucker. Er hat mir beigebracht, wie man einen Reifen wechselt, dass man fremden Leuten die Hand gibt, und dass man eine Arbeit nicht halb fertig liegen lässt. Ich habe ihm zu selten gesagt, dass ich ihm zugesehen und ihn nachgemacht habe. Papa, ich mache dich immer noch nach. Danke.“
Sie standen sich fern
Täuschen Sie keine Nähe vor, von der die Trauergemeinde weiß, dass es sie nicht gab: Nichts klingt falscher. Eine Distanz, die man mit Zurückhaltung eingesteht, ist würdiger.
„Wir haben nicht viel geredet, mein Vater und ich. Wir haben zum Geburtstag telefoniert, und die Gespräche waren nach zehn Minuten vorbei. Aber er war es, der mir beigebracht hat, die Uhr zu lesen — auf der großen Bahnhofsuhr in Kassel, an einem Samstag, an dem unser Zug Verspätung hatte. Ich weiß nicht, warum gerade diese Erinnerung kommt. Vielleicht, weil er an dem Tag alle Zeit der Welt für mich hatte. Die möchte ich behalten.“
Die Beziehung war schwierig
Sie müssen nicht sprechen. Wenn Sie es tun, bleiben Sie bei den Tatsachen und bei dem, was bleibt. Zu einer öffentlichen Versöhnung ist niemand verpflichtet.
„Mein Vater war ein schwieriger Mann, und viele hier wissen das. Ich werde heute nicht das Gegenteil behaupten. Ich möchte zwei wahre Dinge sagen. Er hat dreißig Jahre Schicht gefahren, damit es uns an nichts fehlt, und es hat uns an nichts gefehlt. Und von ihm habe ich die Werkbank im Keller — er hat mir mit zehn zum ersten Mal einen Hobel in die Hand gegeben, und ich stehe heute noch daran. Das ist es, was ich behalte.“
Sie sprechen im Namen der Geschwister
Bitten Sie jeden um einen Satz und lesen Sie die Sätze mit Namen vor. Das ist stärker als ein geglätteter Text, und niemand spricht für die anderen.
„Wir sind drei, und jeder hat einen Satz geschrieben. Andrea: ‚Er hat mich zur Schule gefahren und dabei absichtlich falsch gesungen, damit ich vor den anderen lachen muss.‘ Stefan: ‚Samstagabend lief die Sportschau, und ich durfte neben ihm sitzen, auch wenn ich nichts verstanden habe.‘ Und ich: ‚Er hat alle unsere Zeichnungen in einem Schuhkarton aufgehoben. Wir haben ihn diese Woche gefunden.‘ Das war er für uns. Danke, Papa.“
Wenn Sie nicht sprechen möchten
Das ist kein Versäumnis. Sie können Ihren Text jemandem geben, der ihn vorliest, ihn schreiben und beilegen, ohne ihn zu lesen, oder ein Gedicht oder ein Musikstück das sagen lassen, was Sie nicht formulieren können. Die Geste zählt, nicht der Vortrag.
Was aus diesen Worten wird
Behalten Sie Ihr Blatt. Bitten Sie die anderen um ihres: Die Anekdote eines Kollegen, die sonst niemand kannte, wird nur einmal erzählt. Und wenn Angehörige nicht kommen konnten, lassen Sie ihnen einen Ort, an dem sie ihrerseits schreiben können: Es sind oft diese späten Nachrichten, die die Familie Jahre danach noch einmal liest.



