Strenges Schwarz ist längst nicht mehr Pflicht. Gedeckt und unauffällig genügt, und die einzige Regel, die wirklich zählt, passt in einen Satz: Sie sollen nicht das sein, was angeschaut wird. Wenn Sie am Abend vorher noch überlegen, nehmen Sie das Unauffälligste, das Sie besitzen, und denken Sie nicht weiter darüber nach.
Kein Gesetz regelt, was man zu einer Trauerfeier trägt. Es sind Gepflogenheiten, sie haben sich verschoben, und niemand wird Ihnen den Zutritt verwehren.
Was heute getragen wird
Gedeckte Farben: Schwarz, Anthrazit, Dunkelgrau, Dunkelblau, Dunkelbraun. Ein Schnitt, der bedeckt — Schultern bedeckt, Beine bedeckt, kein tiefer Ausschnitt. Und so wenig Signal wie möglich: keine kräftigen Farben, keine großen Muster, kein bedruckter Schriftzug, kein Schmuck, der Licht fängt.
Was heute ohne Weiteres geht: eine Hose für Frauen, ein Hemd ohne Krawatte für Männer, ein dunkler Pullover statt eines Sakkos, flache Schuhe. Was noch auffällt: helle oder zerrissene Jeans, sichtbare Sportschuhe, kurze Hosen, Trägershirts, die Mütze im Innenraum, ein Parfum, das man drei Meter weit riecht.
Das lautlos gestellte Handy gehört im Grunde auch zur Kleidung.
Sie haben nichts Dunkles und keine Zeit, etwas zu kaufen
Das ist der häufigste Fall, und er muss nicht mit einem Einkauf gelöst werden.
Nehmen Sie das Neutralste, das Sie haben: die dunkelste Hose, das einfarbigste Oberteil, die unauffälligste Jacke. Ein mittleres Grau, ein gedecktes Blau, ein stumpfes Beige erfüllen ihren Zweck vollkommen. Niemand wird es bemerken — und wer es bemerken könnte, hat an diesem Tag anderes im Kopf.
Die schlechteste Entscheidung wäre, nicht zu kommen, weil das richtige Sakko fehlt. Was der Familie bleibt, ist Ihre Anwesenheit; Ihre Hose nicht.
Wenn die Familie etwas gewünscht hat
Der Wunsch der Familie geht allem anderen vor, immer. Eine Farbe, weil es seine war, die Bitte, nicht in Schwarz zu kommen, ein genaues Detail — ein Tuch, ein Trikot, eine Blume: Man folgt, ohne zu diskutieren und ohne halbe Kompromisse.
„Bitte kein Schwarz“ heißt kein Schwarz, auch für die, denen das unangenehm ist. Und wenn die Bitte Sie über Dritte erreicht und Ihnen seltsam vorkommt, fragen Sie lieber direkt bei einem Angehörigen nach, statt selbst einen Kompromiss zu erfinden: ein Saal, in dem die Hälfte der Bitte gefolgt ist und die andere nicht, ist genau das, was sie vermeiden sollte.
Wetter und Ort entscheiden mehr als die Kleiderordnung
Ein großer Teil einer Beisetzung findet im Stehen statt, draußen, auf dem Friedhof, dreißig bis vierzig Minuten lang.
Bei Hitze sind leichte Stoffe besser als ein Sakko, das Sie ohnehin ausziehen. Dunkle kurze Ärmel sind angemessener als lange, unter denen Sie leiden; daran ist nichts Unschickliches.
Bei Regen oder Kälte nehmen Sie einen richtigen Mantel und richtige Schuhe: Sie werden beides während der Beisetzung anbehalten, es gehört also zur Kleidung. Ein dunkler Schirm statt eines bunten.
Die Schuhe zählen mehr als das Oberteil. Kies, nasses Gras, abschüssige Wege: dünne Absätze sind eine schlechte Idee, und das fällt stärker auf als eine ungefähre Farbe.
Feuerbestattung, weltliche Trauerfeier, andere Glaubensrichtungen
Es ändert sich wenig.
Mehr als zwei Drittel der Bestattungen in Deutschland sind heute Feuerbestattungen, und im Krematorium wie bei einer weltlichen Trauerfeier gelten dieselben Gepflogenheiten, oft noch etwas gelöster. Gerade dort bitten Familien häufiger um eine Farbe oder um etwas weniger Förmliches — was uns zum vorigen Punkt zurückbringt: Man folgt der Bitte.
Bei den Glaubensrichtungen sind es konkrete Gesten, keine Vorschriften, die man auswendig können müsste. In der Synagoge bedecken Männer den Kopf; am Eingang liegen Kippot bereit. In der Moschee zieht man die Schuhe aus, Frauen bedecken das Haar, oft mit einem Tuch, das vor Ort gereicht wird. In der Kirche nehmen Männer die Kopfbedeckung ab. In allen Fällen: Kommen Sie fünf Minuten früher und schauen Sie, was die Menschen vor Ihnen tun — das ist verlässlicher als jede Liste.
Kinder
Man zieht ein Kind nicht wie einen kleinen Trauernden an. Saubere, schlichte Sachen, in denen es eine Stunde sitzen bleiben kann, reichen aus — es braucht weder ein eigens gekauftes Outfit noch einen Anzug, der zwickt.
Vermeiden Sie nur sehr kräftige Farben und aufgedruckte Figuren. Und nehmen Sie etwas zum Überziehen mit: Kinder frieren auf einem Friedhof vor allen anderen.
Was Sie mit ihm vorbereiten sollten, ist nicht die Kleidung, sondern das, was es sehen wird. Dazu: Kindern den Tod erklären.
Was mehr zählt als die Kleidung
Ist die Frage einmal geklärt, verdient sie keine Energie mehr. Was der Familie bleibt, sind die Worte, die Sie gefunden haben — und dort ist die Angst, etwas falsch zu machen, besser investiert.
Dazu: was man Trauernden sagt, eine Trauerrede für einen Freund oder Kollegen, und wenn Sie selbst sprechen müssen, eine Trauerrede halten. Der Hauptratgeber führt alles zusammen.



